Die leidigen Budgets

Budgets existieren für mein Honorar,
meine Medikamentenverordnungen,
meine Heilmittelverordnungen
(Fango, Massage, Krankengymnastik etc.),
indirekt auch für alle Laborleistungen

Die Budgets für das Honorar haben einen neuen Namen bekommen. Sie heißen jetzt Regelleistungsvolumen (RLV) und haben einen festen Betrag, der von Quartal zu Quartal wechselt.Die Schwankungen sind relativ gering, so dass man ungefähr von 35 Euro pro Patient und Vierteljahr ausgehen kann. Mehr als diese 35 Euro kann ich nicht erreichen, auch wenn ich einen wöchentlichen Hausbesuch oder einen täglichen wie bei einem Sterbenden mache. Da ich für den klassischen Schul-Drückeberger, der nur eine ärztliche Entschuldigung für einen übereifrigen Lehrer braucht (die diesem definitiv nicht zusteht), auch 35 Euro bekomme, brauche ich also möglichst viele solch gesunder Patienten, um die kranken angemessen behandeln zu können. Nach der Einführung dieser unsäglich schlimmen 10 Euro Kassengebühr am Quartalsanfang fehlten mir natürlich viele dieser eigentlich gesunden Patienten, weil sie die 10 Euro lieber sparen wollten.
Eine echte Arbeitserleichterung und Kostenersparnis macht aus, dass diese grauenvolle Kassengebühr am Quartalsanfang endlich entfällt. Mit Personaleinsatz, EC-Kartenleser, Steuerberater und Bank kam da rund ein Euro an Kassier- und Verwaltungskosten je 10 Euro zwischengeparktes Geld zusammen. Es war wirklich eine bodenlose Frechheit, uns das Kassieren eines einkommensunabhängigen, damit sozial ungerechten Kassenzusatzbeitrages aufzubürden. Ich bin wirklich glücklich darüber und mache mir keine Sorgen, dass die meisten gleich zum Spezialisten gehen ohne Überweisung. Die meisten haben begriffen, wie wichtig es ist, eine Überweisung von mir vorzulegen. Vor allem der dann fällige Bericht ist unverzichtbar für spätere Zeiten.


Bei uns Hausärzten gibt es kaum Möglichkeiten, etwas mehr zu bekommen als den Betrag, den das RLV hergibt. Impfungen und die völlig wertlosen Vorsorgeuntersuchungen (Checkup 35 - rigoros zusammen gestrichen - Labor nur noch blankes Gesamtcholesterin-blödsinnig und ein Momentzucker-ebenso blödsinnig, EKG im RLV versenkt) werden außerhalb des Budgets vergütet. 
Die Budgets sind unterschiedlich für die Menschen je nach Altersgruppe.
Leider kann ich hier keine präzisen Euro-Beträge nennen, weil wir Kassenärzte zuerst einmal Punkte bekommen. Diese sind wie Chips oder Spielgeld. Der Umtauschkurs wird erst drei bis sechs Monate nach der Leistung festgelegt.
Die Auswirkungen von Budgetüberschreitungen sind unterschiedlich. Erbringe ich zu viele Leistungen, wird einfach der über meinem Honorarbudget liegende Teil nicht oder extrem gering bezahlt, ich habe also umsonst gearbeitet. Überschreite ich mein Medikamenten- oder Heilmittelbudget um mehr als 15 %, gerate ich in Regressgefahr. Ab 25 % tritt Beweislastumkehr ein. Ich muss beweisen, dass ich nicht unwirtschaftlich gehandelt habe. Das heisst, dass ich den budgetüberschreitenden Teil aus meinem Privatvermögen bezahlen muß. Solche Massnahmen sind existenzgefährdend. Im Allgemeinen übersteht man einen einzelnen Regress, der zweite bedeutet meist die Pleite. Jeder Kassenarzt hat also Angst vor einem Regress. Im Laborbereich geht es grosszügiger zu. Hier schmälere ich nur meinen Verdienst. Wenn es schlimm ist, heisst das, dass ich alles (von der Blutentnahme bis zur Ergebnisauswertung) umsonst gemacht habe.

Zur Zeit liegen die Quartalsbudgets bei Menschen unter 60 etwa bei Euro 40.- für die Älteren ca. 110.- für Medikamente, Euro 7,52 für Heilmittel für alle (6 X Fango und Massage verschlingen ca. Euro 120.-). Das Laborbudget liegt insgesamt unter Euro 2.- je Vierteljahr (ca. 85 Cent für das hannoversche, 1,15 für überwiesenes Labor. Es gibt wieder Unterschiede nach dem Lebensalter.

Budgets sind unabhängig vom Einzelpatienten, der Schnitt muss eben stimmen. Vielleicht hift diese Information, den offensichtlichen Simulanten im Wartezimmer, der seine Leidensmiene erst aufsetzt, wenn er aufgerufen wird, mit etwas anderen Augen zu betrachten. Er setzt sein Budget für die ein, die mehr brauchen als nur eine Schulentschuldigung.

Kein Budgetzwang liegt vor bei allen "sonstigen" Kostenträgern. Dies sind z.B. Polizisten, Postbeamte, Feuerwehrleute und die wenigen Sozialhilfeempfänger, die nicht in einer Krankenkasse sind.

Nie vergessen sollte jeder gesetzlich versicherte, dass er einer SOLIDARGEMEINSCHAFT angehört, in der der Starke für den Schwachen aufkommt. Nur der, der wirklich viel braucht, bekommt viel. Noch nie eine Kur gehabt zu haben, bedeutet also keineswegs, dass man nun auch einmal dran sei. Jeder hat dieselben Rechte wie am ersten Tag der Mitgliedschaft.


Selbstzahlerleistungen/-verordnungen

  • Atteste
  • Reiseimpfberatung und -impfungen bei nicht berufsbedingten Auslandsaufenthalten
  • Urlaubsapotheke
  • Medikamente gegen Reisekrankheit
  • Medikamente gegen Befindlichkeitsstörungen (z.B. normale Erkältung) einfache Schmerzmittel, alle Medikamente gegen Husten, Schnupfen und Fieber un Durchfall
  • Besondere Therapieformen (z.B. Tanztherapie)
  • Physikalische Therapie bei muskulären "Verspannungen"
    Krankengymnastik, Fango, Massage, Heißluft, Strecken, "heiße Rolle", Bäder, "Lichtbogen" etc.
  • Blutdruck- und Zuckermeßgeräte bis auf wenige Ausnahmen
    Alle nicht öffentlich empfohlenen Impfungen (z.B. Tollwut für den Urlaub)