Empfehlungen Ihres Hausarztes für eine

Reiseapotheke

Wegen extremer Preisänderungen im Oktober 2013 überarbeitet

Vorsorgliche Verordnungen zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung sind leider streng verboten. Rezeptpflichtige Arzneien können also nur auf Privatrezept verordnet werden.

Durchfall

Die wichtigste Regel für die Ernährung im südlichen Ausland heisst immer: COOK IT, PEEL IT OR FORGET IT (koch es, pell oder schäl es, oder vergiss es). Wirklich hart zu sein gegen sich selbst bei Eis, auch als Eiswürfel, rohem Gemüse oder allen Salaten erspart fast die nicht gerade billige Hepatitis-A-Schutzimpfung Havrix 1440(zwei Spritzen für 10 Jahre Schutz ca. 98.- bis 129.- EUR). Gute Vorsätze allein helfen wenig; Untersuchungen haben gezeigt, dass bei 90% der Deutschen im Urlaub spätestens am dritten Tag der erste Eiswürfel in irgendeinem Getränk schwimmt.

Zur Wissensauffrischung: Hepatitis A wird fäkal-oral (Exkremente in den Mund), Hepatitis B parenteral (Blut-Blut) übertragen. Die Hepatitis-B-Impfung schützt also vor allem vor Ärzten und Krankenhäusern in Entwicklungsländern, die nicht der hiesigen Hygiene entsprechen.

Am wichtigsten, wenn es nun doch soweit gekommen ist, ist der Ersatz von Salzen, besonders Kalium. Kaliumpräparate führt Ihre Apotheke. Am billigsten ist Kalium-Verla-Granulat. Angehmer sind Kalinor retard P-Kapseln. Kochsalz kann zum Beispiel aus Brühwürfeln zugeführt werden. Ergänzt werden muss auch immer Wasser, bei Kindern und stark untergewichtigen Menschen auch Traubenzucker. Es gibt diese Substanzen auch in Fertigkombinationen, z.B. Oralpädon-Pulver (10 kosten ca. 4,72 EUR, mit Erdbeergeschmack sind sie sogar erträglich) oder Elotrans-Beutel, 10 zu 4,72 EUR. Gegen die Symptome hilft meist ein Hausmittel: schwarzer Tee sehr stark, zweimal aufgegossen (1.Aufguss 30 Sekunden ziehen lassen, Tee weggießen oder jemandem geben, der gesund ist, nochmals kochendes Wasser aufgießen, 15 Minuten ziehen lassen). Stärker wirkt Loperamid (in der Kleinpackung rezeptfrei, z.B. Loperamid akut ,10 teilbare Tabletten ca. 3.- EUR). Dies Mittel sollte allerdings kleinen Kindern möglichst wenig verabreicht werden. Für Kinder ist das teurere Vaprino vorzuziehen Loperamid ist auch teurer als Imodium im Handel (hier allerdings auch in der überragend angenehmen Form der wasserfrei einzunehmenden Lingualtablette). Bei bakteriell bedingten Durchfällen (schneller Beginn, wenige Stunden nach Verzehr verseuchter Lebensmittel, meist gleichzeitig mit Erbrechen, dramatischer und hochfieberhafter Verlauf) hilft noch besser die zusätzliche Einmalgabe eines bekannten Antibiotikums (Cotrimoxazol - auf Privatrezept - ab 10,46 EUR). Nicht bei Sulfonamidallergie! Vorsorgen kann man mit einem Hefepilz, z.B. als Eubiol zu 5,40 ,bzw. 9,90 EUR für 10 bzw. 20 Kps. 50 kosten 22,90, reichen dann aber immerhin für zwei Menschen je 25 Tage. Man hat nachgewiesen, dass eine Kapsel täglch die Durchfallwahrscheinlichkeit in den südlichen Mittelmeeranrainerländern um etwa die Hälfte vermindert.

Erbrechen

Mittel der ersten Wahl ist Dimenhydrinat (bekannt als Vomex), das es als Tabletten, Saft oder Zäpfchen gibt. Es ist rezeptfrei und sollte nicht verwendet werden bei grünem Star und Harnabflussstörungen. Sehr billig ist es als Rubiemen, 20 Tbl. zu 2,58 EUR. Erbrechen ohne Durchfall spricht auch gut auf Metoclopramid an (bekannt als Paspertin, Gastrosil, Gastronerton oder MCP). Dies Mittel ist rezeptpflichtig und kostet in der Kleinpackung Tropfen ab 11,80 EUR. Nicht verwendet werden darf es bei Parkinson-Krankheit oder Restless legs.

Fieber und Schmerzen

Am universellsten ist Paracetamol einzusetzen, für Kinder als Saft oder Zäpfchen. Es ist magenfreundlich (nüchtern nehmen!), billig und rezeptfrei. Auch Aspirin (Acetylsalicylsäure) funktioniert gut bei Menschen, die es vertragen (Allergie, Magen). Ausweichen kann man auch auf das etwas stärkere und nebenwirkungsärmere Ibuprofen (als 400-mg-Tabl. rezeptfrei ab 3,70/20 Stück).

Verstopfung

Manche Menschen brauchen im Falle von Zeitverschiebungen ein mildes Abführmittel (rezeptfrei in Ihrer Apotheke).

Allergien

Wer dazu neigt, sollte sein bewährtes Mittel aus der Hausapotheke mitnehmen, ein Antihistaminikum (z.B. Tavegil, Loratadin, Cetirizin, Allergodil u.a.) Diese Mittel sind zum Teil nicht bilig, werden aber nicht mehr auf Kassenrezept verschrieben. Preisgünstig sind die Produkte von KSK-Pharma, 20 Tabl. Cetirizin-ADGC 2,99, Loratadin-ADGC 2,70 Euro. Die beiden dürfen im Notfall bis zu 3/Tag genommen werden.

Sonnenallergie

Antihistaminika sind auch hier wirksam, wenn auch nur beschränkt. Als Ergänzung kann Calcium versucht werden, am besten in Form von viel Käse (Gouda, Edamer etc.). Es gibt in der Apotheke auch Brausetabletten zu kaufen (z.B. Calcitrans. Von den wohlschmeckenden Trinkampullen ist wegen geringen Gehaltes eher abzuraten. Ein echter Tipp sind Calcium-Dura- und Verla-Filmtabletten zu je 600 mg für ca. 17.- EUR je 100 Stück.

Sodbrennen

Gute Dienste tun hier die Antacida, z.B. Talcid, Gelusil, Hydrotalcit ratio (billig), Maaloxan, Kompensan, Progastrit (sehr billig), Riopan. Rennie ist ein wenig schwach. Super wohlschmeckend sind Maaloxan Soft-Tabs. Noch mehr bringt Pantoprazol 20, wieder von KSK (Pantoprazol 20 ADGC), 14 Tabl. unter 5.-. Die Wirsamkeit anderer Medikamnte kann durch solche gegen Säure eingeschränkt werden.

Muskelkrämpfe (nicht chronisch)

sind meist die Folge eines zu geringen Kalium-, seltener auch Magnesiumgehaltes im Blut, oder sie beruhen schlicht und einfach auf Überanstrengung. Kalium befindet sich maximal in Aprikosen, viel in Pfirsichen und Nektarinen, mässig auch in allen anderen Obstsorten. Bei Überanstrengung helfen warme Bäder. Kaliummedikamente (s.o.)  Vorsicht mit viel Magnesium. Das macht Durchfall bei zu hoher Dosis.

Eitrige Entzündungen, besonders der Haut und der Mandeln

Alles, was mit Eiter verbunden ist, kann gefährlich, evtl. sogar lebensgefährlich werden. Wenn man dem Eiter nicht selbst problemlos Abfluss verschaffen kann, gehören solche Entzündungen in die Hände eines Arztes, der meist zugleich chirurgisch und antibiotisch vorgehen wird.

Einfache Erkältungskrankheiten mit Halsschmerzen, Husten, Schnupfen

bedüfen ausserhalb unserer deutschen Luxusversorgung, ehrlich gesagt, gar keiner Therapie. Der Urlaub ist zwar verdorben, aber der Körper wird sich zu angemessener Zeit selbst heilen, wenn mann nicht gerade Leistungssport betreibt. Wichtig sind nur genügend Taschentücher. Wenn man wegen verstopfter Nase keinen Schlaf bekommt, tun billige Nasentropfen oder -spray (von AL 2,38, bzw. 2,03) kurzzeitig gute Dienste

Krämpfe innerer Organe (Blase, Harnleiter, Darm, Galle, Magen)

sind meist Zeichen ernsthafterer Funktionsstörungen (z.B. Steine), sollten also ärztlich abgeklärt werden. Als schnelle Hilfe dienen Präparate wie Buscopan (billig und frei verkäuflich). Als Darreichungsform verdienen Zäpfchen den Vorzug, auch, wenn man nicht allzusehr dafür schwärmt. Nicht anwenden bei grünem Star oder Harnabflussstörungen! Zusätzlich hilft ein Schmerzmittel, z.B. zwei Tabletten Paracetamol.

Insektenstiche

Zuerst einmal vermeiden, so gut es geht. Sogenannte Repellents, z.B. Autan oder OFF verderben den Insekten den Appetit auf Sie. Wenn man es nicht gerade trinkt, in die Augen oder auf Schleimhäute reibt, hat es keinerlei Nebenwirkungen. Da eine Ganzkörperanwendung täglich vielleicht doch Ihr Urlaubsbudget überschreitet, sollten Körperteile, die nicht eingerieben werden können, mit nicht allzuleicht durchstechbarer Kleidung geschützt sein. Spaziergänge in Waldgebieten sollten auf jeden Fall mit festen Schuhen, dicken Kniestrümpfen und langen Hosen stattfinden. Die Maßnahmen sollten natürlich der Gegend angepasst sein: ein Spaziergang in den Sumpfgebieten Floridas ist ungeschützt evtl. lebensgefährlich, ein solcher im Bereich von Feuchtgebieten in Mittelmeerländern lästig, ein solcher rund um Dänemarks Himmelberg weniger gefährlich als nachts in Hannover mit offenem Fenster zu schlafen.

Hat ein Plagegeist erst einmal gestochen, helfen Antihistaminika-Gels wie Tavegil oder Fenistil nicht mehr. Stiftung Warentest sagte zu diesen Präparaten einmal, sie seien hervorragend, wenn sie unmittelbar vor dem Stich aufgetragen würden. Ausgezeichnet wirkt lokale Hitzeanwendung auf der Einstichstelle. Ich selbst nehme immer ein Einmalfeuerzeug, bei dem ich das Metall am Kopf etwas heiß werden lasse und nach Handprobe fest auf die Stichstelle drücke. Es gibt solche Stichheiler auch als Batteriegeräte (immer leer, wenn man sie braucht). Wenn der Juckreiz nicht verschwunden ist: wiederholen, am nächsten Tag auch.

Bewährt hat sich bei entsprechender Reaktionslage die vorbeugende Einnahme eines Antihistaminikums (siehe Allergien).

Ansonsten heisst es, diszipliniert zu sein und nicht zu kratzen. Ungewöhnliche Schwellungen verlangen nach Ruhe, Hochlagerung und Kühlung, evtl. auch einem Arzt. Beliebte, aber nur mässige Juckreizdämpfer sind Tannosynth und andere Gerbsäurepräparate, die es in mehreren Formen gibt. Inzwischen ist auch eine schwache Hydrocortison-Salbe frei verkäuflich.

Sonnenbrand

Zuerst eine Wahrheit: ES GIBT KEINE GESUNDE BRÄUNE !!! Hautbräune ist ein Opfer für unser Schönheitsideal.

Verbrennungen 1. Grades (Rötung, Schmerz, Juckreiz) werden mit Kühlung und normalen After-Sun-Produkten aus der Drogerie behandelt, z.B. Nivea Apres-Lotion. Bewährt ist auch ein ALOE-VERA-GEL, wie man es im Bereich der Alternativ-Kosmetik (z.B. Kosmetik-Bazar, Knochenhauerstr.) bekommen kann.

Verbrennungen 2. Grades (Blasenbildung) sind hochgradig infektionsgefährdet und gehören deshalb in ärztliche Behandlung.

Allgemeinreaktionen wie Frieren, Herzrasen und Schwindel werden vor allem durch grosse Trinkmengen und Salzzufuhr gemildert.

VIEL SPASS !